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| NACHRICHTEN AUS DER IDEOLOGISCHEN ANTIKE nach Alexander Kluge playlist EINE GRUPPE NAMENS "REVOLUTIONÄRER KAMPF" Nie warso viel Lernbegier wie hier EIN LENINIST DES GEFÜHLS Nachträglich bestand sein Beitrag darin, 26 Genossinnnen geschwängert zu haben AUF DEM ACKER DER NEUGIERDE UND DER BESONDERHEIT Er stellte die
heranwachsenden Mädchen, die Doppelkreatur,
DIE MEERJUNGFRAUauf Jahrmärkten aus Jeder nach seinen
Fähigkeiten, jedem nach seinen
Bedürfnissen UNSERE
PRODUKTIONEN WÄREN EBENSO VIELE SPIEGEL WORAUS UNSER WESEN SICH
ENTGEGENLEUCHTETE
WILDHEIT ALS ANSPRUCHGesetzt,wir hätten als Menschen produziert: Jeder von uns hätte in seiner Produktion sich selbst und den anderen doppelt bejaht. Handle stets so, dass dein
Wollen Maxime einer allgemeinen
BAUWEISE VON PARADIESENGesetzgebung werden könnte Etwas fängt sehr
schön an und endet grausig. Das ist das
TIEFSCHLAF DES GEISTESWahrscheinliche in der Welt. Es kann etwas sehr
Schönes daraus werden/ Deshalb lass
MIKROMEGAS UND DIE BLAUE GEFAHRmich einen Augenblick noch auf der Erden Ich für meinen Teil wage nie Pläne zu schmieden. DER MARXIST OHNE HOFFNUNG Sechszehn Generationen
hingebungsvoll
tätiger
MANN OHNE KOPFGedankenträger wären gerade einmal ausreichend, um einen Grundriss des Marxismus aufrechtzuerhalten ...wobei nicht der
tatsächliche Zustand
des
GRAND GUIGNOLEnthaupteten,sondern das Reklamebild von dessen Nummer "Mann ohne Kopf" angebildet wurde. Als Nationalsozialist lehne ich Gewaltdarstellung ab! KATEGORIE DER PLÖTZLICHKEIT Hat nicht vielleicht der vom
Körper getrennte Kopf noch
BIOKOSMISTENBewusstseinsinhalte? Die Basis der Ökonomie
ist die Lebenszeit. Also muss die
Lebenszeit abgeschafft werden. |
Es spielen: Ute Hannig, Samuel Weiss, Lukas Holzhausen, Felix Kramer, Marie Leuenberger, Stefan Schneider Regie und Bearbeitung: Kevin Rittberger Bühne: Christoph Ebener Kostüme: Janina Brinkmann Musik: Stefan Schneider Video: Alexander Grassek Dramaturgie: Steffen Sünkel Uraufführung am 30.1.2010 im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg/ Malersaal Weitere Vorstellungen: www.schauspielhaus.de TRAILER AUF YOUTUBE: GRAND GUIGNOL |
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| DIE
ABSCHAFFUNG DER ARTEN nach dem Roman von Dietmar Dath "Wir haben das
alte dumme fixe und
variable Kapital durch ein neues Verhältnis von Mitteln und
Zwecken ersetzt,
das unmittelbar als Energie, verwertet von Lebendigem, meßbar
ist. Ich habe
dafür, weil’s anfangs noch Geld dazu brauchte, das Geld
vorgestreckt. Und da in
bestimmten rückständigen Randbezirken unseres Wirkens das
allgemeine
Äquivalenzmaß weiter gebräuchlich sein wird, bis wir
aus der Sprengung der Taxa
eine Wirklichkeit gemacht haben, werde ich mich weiter einmischen,
selbst wo
ich gar nichts dazu tu. Aber wie mit dem Geld, das wir benutzen, um es
abzuschaffen, will ich es jetzt mit dem Körperlichen halten. Denn
soll ich mich
etwa weiter träge in dieser trägen Welt mitbewegen? Das ist
mir, liebe Gente,
viel zu träge, das erinnert mich zu sehr an die Langeweile, an die
menschliche
Mühsal, an die Engelswachen vor dem Paradies, ans Verjagtwerden.
Wollt ihr die
Zeit zurück? Unmittelbar verausgabte Körperkraft als
gesellschaftliche
Grundlage fortlaufender Überproduktion von allem möglichen
Dreck, und dann der
ganze Rattenschwanz vom Gegensatz zwischen allgemeinem Reichtum und
besonderer
Arbeit? (Wollt ihr, daß man euch alle zwei Minuten an euren neuen
Schweifchen
zieht?) Der Wert, ach Unfug. Ich will, Brüder und Schwestern, der
Ärmste und der
Reichste sein, einer, der noch nicht mal einen Apparat hat, der Arbeit
verrichten kann, verfeinert bis zu dem Punkt, da jeder nur noch aus der
Idee
von dem besteht, was er sein könnte. Potentialis!" |
Es spielen: Elias Arens, Olivia Gräser, Judith Hofmann, Jörg Pose, Boram Lie Regie und Bearbeitung: Kevin Rittberger Bühne: Christoph Ebener Kostüme: Iris Alda Musik: Boram Lie Illustrationen: Dirk Rittberger Dramaturgie: Claus Cäsar, Ulrich Beck Uraufführung: 9.11.2009, Deutsches Theater Berlin, Box Termine: Deutsches Theater PresseSpiegel Aus dem Maul des Löwen |
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| KORO
oder die Wachstumskrise (Auszug) B D
D B B Irgendwas ist mit seinem Wiwimacher nicht in Ordnung. B |
Es spielen: Christian Dolezal, Veronika Glatzner, Marion Reiser, Johannes Zeiler Regie, Text, Ausstattung: Kevin Rittberger Folge 9 in der Reihe: DIesseits des Lustprinzips/ Freud und die Folgen Premiere am 19.3. 2009 Ort: Schauspielhaus Wien Spieltermine auf www.schauspielhaus.at MIt der szenischen Recherche DIesseits des Lustprinzips: Freud und die Folgen soll der Versuch unternommen werden, die Schriften und die Biografie des Gründers der Psychoanalyse für das Theater und die Gegewart nutzbar zu machen. (Schauspielhaus Wien) |
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| FAST
TRACKING ODER DER TOD DER KUNQU-OPER
Ein
Auftritt steht bevor. Niemand soll enttäuscht werden. Aber: Was
hat die
500 Jahre alte Kunqu-Oper »Der Päonien-Pavillon« auf
einer
Kreativindustriemesse verloren? Und um welchen Begriff von
Kreativität geht es überhaupt? Es geht um die
Gut-genug-Lösung oder den
Beta-Loop, auf Fachchinesisch. Das wollen wir Westler von Tschina (so
spricht man es nämlich aus) lernen, nicht immer alles zu Ende
denken.
Etwas einfach passieren lassen und vor allem, was einen selbst
betrifft, etwas einfach mal machen. Also: Der Mensch als Baustelle und
Vorstellung, Psychotherapie in Zigarettenlänge, Freud ohne Freud.
Oder
besser: Fast Tracking.
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Es spielen: Julia Nachtmann,
Lukas Holzhausen, Felix Kramer, und Paulo Olarte Regie und Text: Kevin Rittberger Bühne: Christoph Ebener Kostüme: Janina Brinkmann Musik: Paulo Olarte Video: Kevin Rittberger Dramaturgie: Nora Khuon u Steffen Sünkel Uraufführung: 9.11.2008; 20.30h Ort: Deutsches Schauspielhaus in Hamburg, Haus 73 Weitere Informationen unter www.fasttracking.de Aufführungsrechte beim Verlag der Autoren, Frankfurt a. M. (www.verlag-der-autoren.de) Die gegenseitige Faszination Chinas und des Westens ist groß - die Unkenntnis ebenso. Auf unverblümt geistreiche Weise schließt Schauspielhaus-Regisseur Kevin Rittberger Versatzstücke fernöstlicher Kultur und westlicher Unsitte in seinem neuen Stück »Fast Tracking oder der Tod der Kunqu-Oper« kurz. ... Auf originelle Weise dekliniert sich Rittberger durch sämtliche China-Klischees: die als Friseusen getarnten Liebesdienerinnen, die befremdlichen Spezialitäten (»Hund«) und die Lust an der Postmoderne, die sich als Bumerang erweist. Und da blitzt die Kritik an den unreflektierten Einfluss-Strömen auf: Die Kunqu-Oper wird als Zwischengang auf einer kreativen Industriemesse verramscht. Hamburger Abendblatt, 11.11.2008 |
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| HUNGER
NACH SINN. ZWEITER TEIL Nach Alexander Kluge "Es gibt zwei Sorten Zeit: Die eine nähert sich rasch, ist nur einen Moment da und ist dann wieder weg: Das nennen die Griechen: Kairos. Und dann gibt es eine andere, die vergleichsweise träge dahin fließt, sich ins Unendliche erstreckt, kein Ende findet, die nennen die Griechen Chronos. Zwischen diesen Grundbestimmungen ergibt sich im Grunde alles weitere." Es gab eine Zeit, da lief das Leben in
gleichförmigen Bahnen
ab, situiert in der 37°C warmen Ursuppe. Seit dieser Zeit tragen
wir einen
Hoffnungsvorrat in uns. "Hunger nach Sinn. Zweiter Teil" spürt
dieser
Sehsucht nach, sucht nach Glücksmomenten, wühlt eingefrorene
Gefühle auf und
legt verschüttete Zeitschichten frei. Es fahndet nach
Umschlagpunkten der
Geschichte, verpassten Chancen und berichtet von Weltrettungsversuchen
und
deren Scheitern. Ausgestattet mit einer "seelischen Untergrund-Armee,
die
von hoffnungsvollen Annahmen ausgeht" wird der Urmensch mit modernen
Zeiten konfrontiert, die es nicht immer gut mit ihm meinen. Alexander Kluge liest Geschichte in seinem Werk immer aufs neue gegen den Strich und bezieht sich auf die Wirklichkeiten, die unter der Oberfläche weiterlaufen. Dabei erscheint gewiss, dass die Utopie immer besser wird, während wir auf sie warten. |
Es spielen: Julia Nachtmann, Felix Kramer und Samuel Weiss Regie und Fassung: Kevin Rittberger Bühne: Christel Bergmann Kostüme: Janina Brinkmann Musik: Paulo Olarte Video: Alexander Grassek Animation: Gonzalo Barahona Dramaturgie: Nora Khuon Uraufführung: 13.3.2008; 21.30h Ort: Deutsches Schauspielhaus in Hamburg, Rangfoyer Gastspiel am Maxim-Gorki-Theater in Berlin: 13. u. 14.3.2009 (gefördert durch die Ilse und Dr. Horst Rusch-Stiftung) Pressespiegel (*.pdf): Pressespiegel HNS2 Weitere Informationen und Termine unter: www.schauspielhaus.de Fotos: Kerstin Schomburg Videos anschauen |
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ENTSCHLEUNIGUNG! Eine Veranstaltungsreihe des Deutschen Schauspielhaus in Hamburg 2007/2008 Konzeption: Nicola Bramkamp, Nora Khuon, Kevin Rittberger |
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| ENTSCHLEUNIGUNG!
Eine Veranstaltungsreihe Wir haben keine Zeit, obwohl wir sie um Überfluss gewinnen. Diesem ungeheuren Paradoxon der spätmodernen Welt auf die Spur zu kommen, werden wir jeden zweiten Donnerstag im Monat gegen die Gegenwartsschrumpfung ankämpfen, uns dem rasenden Stillstand aussetzen, Zeitjongleure und multiple Identitäten interviewen, unsere Sensorik für den Karmakapitalismus verfeinern und uns in die unerbittliche Beschleunigungsspirale begeben. Wir bringen den Tempo geplagten Menschen in der Entschleunigungsoase schlechthin, dem Theater, zurück zu seinen Wurzeln. # 01 STOP AND GO! (11.10.2007) 19.15 Prof. Hartmut Rosa, Jena/ New York: »Was ist Entschleunigung?«, Marmorsaal 20.30 I BEYOND HISTORY. Text und Regie: Kevin Rittberger. Es spielen Irene Kugler und Jürgen Uter. II A LOT OF NOW NOW. Choreographie und Tanz: Victoria Hauke, Hamburg. III MEIN KULTURELLER MOTOR DREHT AM RAD. Poetry-Slam mit dem Team-LSD, Berlin (Micha Ebeling und Volker Strübing), Rangfoyer 22.30 DAUERLAUF. Felix Kramer und Gäste. Kantine # 02 KARMA-KAPITALISMUS (8.11.2007) 19.15 »Beseelte Wirtschaft?« Vorträge von Birgit Gebhard (Trendbüro Hamburg) und Sören Stamer (Core Media AG). Marmorsaal. 20.30 FAKE FOR REAL (Gastspiel Haus 73). Text und Regie: Kevin Rittberger. Bühne: Christoph Ebener. Kostüme: Janina Brinkmann. Dramaturgie: Anna-Carla Melchert. Es spielen: Christian Brey, Felix Kramer, Rebecca Lina, Ronald Zehrfeld. Rangfoyer. 22.30 DAUERLAUF mit Felix Kramer. Zu Gast: Sarah Lillian und deep vibe association. Kantine |
# 03 RASENDER STILLSTAND (13.12.2007) 19.15 »Die ewige Raststätte«. Vortrag von Prof. Carl Hegemann, Leipzig. Marmorsaal. 20.30 Autorenwerkstatt »Weil die Zeit sich so beeilt…« mit Tempoletten von: David Gieselmann, Tim Staffel, Bernhard Studlar Johanna Kaptein' (inszeniert von Studenten der Theaterakademie). Marmorsaal. 22.30 Dauerlauf mit Felix Kramer. Zu Gast: Galerie Oel-Früh und Jan Gazarra. # 04 GEGENWARTSSCHRUMPFUNG (10.1.2008) 19.15 »Lebenslaufregime vs. situative Identität«. Vortrag von Jürgen P. Rinderspacher. Marmorsaal. 20.30 FÜR ALLE. Gastspiel von She She Pop. Rangfoyer. 22.30 DAUERLAUF. Felix Kramer und Gäste. Kantine # 05 FLIEGENDE IDENTITÄT (14.2.2008 ) 19.15 »Spieler Drifter Zeitjongleure«. Vortrag von Prof. Karl H. Hörning (Uni Aachen) 20.30 4 Werkstattinszenierungen der Regieassistenen des DSH 22.30 DAUERLAUF. Felix Kramer und Gäste. Kantine # 06 ZEITSCHICHTEN (13.3.2008) www.schauspielhaus.de |
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| BEYOND HISTORY Ein Stück von Kevin Rittberger Beyond History umkreist die Bedingungen
persönlichen Wahrnehmens und Handelns vor dem Hintergrund sich
fortwährend beschleunigender Kulturen. Was persönlich
wahrnimmt und
handelt, das sind Überbleibsel von Individuen, darum nicht weniger
trotzend gegen den unerbittlichen Strom der Zeit. Was sich
beschleunigt, dass ist die Geschichte selbst, in Live-History-Events
nur noch zitiert oder übersprungen oder in Form verschiedener
Levels
simultan durchgespielt. Auf der Strecke bleibt die Erfahrung, der eine
eigene „Gegengeschwindigkeit“ innewohnt. Auf dem Vormarsch ist die
Sehnsucht nach einem selbst bestimmten Zusammenhang. Beyond History, das sind sieben Szenen, sie sich mit populistischer Geschichtsvermittlung, der Megacity als „Sinnesschleuder“, alternativen Strategien von Entschleunigung und der spätmodernen Identität als „Rollenmultitude“ auseinandersetzen. |
Es spielen: Irene Kugler und Jürgen Uter Regie und Text: Kevin Rittberger Bühne: Christel Bergmann Kostüme: Janina Brinkmann Dramaturgie: Nora Khuon Uraufführung: 11.10.2007; 20.30h Ort: Deutsches Schauspielhaus in Hamburg, Rangfoyer Beyond History wird im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Entschleunigung!" gezeigt. Weitere Informationen unter: www.schauspielhaus.de Fotos: Florian Thiele |
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| FAKE FOR REAL Ein Stück von Kevin Rittberger Abu Dhabi ist die Reinform des Fakes. Neben künstlichen Inselparadiesen, Luxushotels, Golfplätzen und Konsumtempeln wird, von Stararchitekten entworfen, auch die alteuropäische Kultur noch einmal neu aus dem Boden gestampft - mit Louvre, Guggenheim, Biennale, Frankfurter Buchmesse, Oper und experimentellem Theater. Was im Mutterland in hunderten von Jahren gereift ist, soll hier im Vorzeige-Emirat im Schnelldurchlauf nachgeholt werden, auf dass der Tourismus, der bereits jetzt in ungeahnte Höhen schnellt, in 100 Jahren, wenn das schwarze Gold zur Neige geht, die Kassen der zukünftigen Kulturwelthauptstadt fülle. Doch unter der Verpackung des Schönen und Luxuriösen ist das einzig Fundamentale bisher ein Heer von Sklaven, welches draußen in der sengenden Hitze das aufbaut, was drinnen, bei herabgekühlten 18 Grad, als erbauliche Kultur gefeiert wird. Zwei deutsche Kulturarbeiter, vom Scheich von Abu Dhabi mit dem Aufbau der Kulturbehörde beauftragt, sollen der arabischen Kulturoase nun eine Seele verleihen. Ehemals in Sachen politischer Kunst tätig, haben die Kulturarbeiter die Erosion des Protests, die Einverleibung der Subkultur, den "Kompetenztransfer von der linken Protestkultur zum Management" (Boltanski/Chiapello) selbst erfahren. Doch der Anblick archaischer Formen von Ausbeutung vor den Toren des Prunkpalastes ermöglicht aufs Neue das, was in den westlichen Gesellschaften am Grad der Komplexität der Verhältnisse scheitert und im diffusen Raum der Ströme verpufft: Schwarz-weiße Kapitalismuskritik. "Wir können nicht einfach den RAF-Zyklus von Gerhard Richter in Ihre Museen hängen! Wir werden 68 bei Ihnen nachholen müssen! Sie brauchen Ihre eigene nationale Ikonographie der Revolution!" Wenn es gelänge, den Scheich davon zu überzeugen, dass auch eine moderne arabische Kultur durch das Stadium der Kritik gehen muss, um sich die Protestformen und Bilder des Widerstands später auf die eigenen Fahnen des kulturellen Kapitalismus schreiben zu können! Wenn es ferner gelänge, die geknechteten Gastarbeiter wirklich zu organisieren! Und wenn es gleichzeitig gelänge, den Scheich dahingehend zu verführen, den wirklichen Straßenkampf als "inszenierten" durch die ästhetische Brille zu betrachten, dann könnte die Realität doch quasi durch die Hintertüre einfallen. |
Fake for Real ist ein groteskes Verwirrspiel um den politischen Fake und das Reale und setzt sich mit den Thesen von Judith Mair und Silke Becker aus dem gleichnamigen Sachbuch auseinander und versucht konsequent, die Strategie des Politfakes, bzw. des Culture Jamming auf die zukünftige „Weltkulturhauptstadt“ Abu Dhabi anzuwenden. Die Debatte um Globalisierung, Authentizität, Werte- und Kulturexport gibt Anlass, über politische und ästhetische Strukturen abendländischer Kultur nachzudenken. Fake for Real greift zahlreiche Aspekte dieser Diskussion auf und stellt die Frage: Was ist Wahrheit, was ist Fake? Und: Kann und soll der Transfer der europäischen „Matrix“, einer der Aufklärung entsprungenen kritischen Kultur, in den arabischen Kulturraum überhaupt gelingen? Es spielen: Rebecca Lina, Christian Brey, Felix Kramer, Ronald Zehrfeld Regie und Text: Kevin Rittberger Bühne: Christoph Ebener Kostüme: Janina Brinkmann Dramaturgie: Anna-Carla Melchert Informationen, Pressematerial, Fotos und Videos: www.fake-for-real.de Uraufführung: 17.6.2007 Weitere Vorstellungen: 18.6.,22.6.-26.6.,15.7.2007 Ort: Haus 73 [www.dreiundsiebzig.de] Gastspiel am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg: 11.10.2007; 20.30h |
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![]() HUNGER NACH SINN Fünf Szenen nach Alexander Kluge Aber das Wort Ich liebe dich
hat eine magische Qualität. Man kann
es im Leben, dachte sie, nur einmal sagen, und bei dieser Gelegenheit
würde ich – da ich ja gar nicht "man" bin, – fügte sie hinzu
– sicherlich aus Aberglauben gar nichts sagen, schon um das
bißchen Liebe, das es gibt, nicht zu verscheuchen.
Szenen über die Liebe. Ein Mann möchte hören, daß er geliebt wird. Ein anderer fragt sich, warum die Uneinigkeit eines befreundeten Ehepaares eigentlich Einigkeit stiftet. Ein Richter will eine aus Liebesschmerz begangene Straftat juristisch zu fassen bekommen. Ein KZ-Funktionär protokolliert ein Experiment, das die Liebe zweier Gefangener mit bürokratischer Perfektion zu instrumentalisieren versucht. Szenen über die Sprache der Liebe. Ihnen gemeinsam ist die Schwierigkeit der Figuren, eine Sprache des Gefühls zu entwerfen. Sie versuchen sich in der Sprache zu begegnen, finden aber immer wieder nur Begriffe. Begriffe, die die Gefühle gewaltsam in ein Korsett zwängen. Vor dem Hintergrund einer schematisierten Kommunikation – vom floskelhaften, privaten Gebrauch in „Fifi“ über die institutionalisierte Form der jurisdiktiven Trennschärfe in „Der Schuss“, bis hin zum totalitär-pervertierten Idiom der nationalsozialistischen Funktionäre in „Ein Liebesversuch“ – sind Kluges Texte Versuchsanordnungen, die nach Lebendigkeit und Eigensinn gegenüber Zwang und Beherrschung des jeweiligen sozialen Systems fragen. Alexander Kluge, Jurist, Filmemacher, Autor, Produzent und Büchner-Preisträger, hat sich in seinem multimedialen Werk immer wieder als Chronist der Gefühle erwiesen. In seinen Texten finden sich Dialogminiaturen, die mit dieser Aufführung erstmals im Theater gezeigt werden. |
![]() Texte: Adornos Geliebte (Die Lücke, die der Teufel lässt, 2003) Fifi (Chronik der Gefühle, 2000) Ursprüngliche Uneinigkeit (Chronik der Gefühle, 2000) Der Schuß (Die Macht der Gefühle, 1983) Ein Liebesversuch (Lebensläufe, 1962) Es spielen: Ute Hannig, Felix Kramer Regie: Kevin Rittberger Video: Zeno Moser / Peter Stein Live-Kamera: Ole Xylander Kostüme: Iris von Lölhöffel / Annie Lenk Dramaturgie: Stephanie Lubbe Hamburger Premiere, 26. Februar 2006, Rangfoyer Schauspielhaus Übernahme vom Staatstheater Stuttgart, Premiere 17. November 2004, Oberes Foyer Video-Ausschnitt Fotogalerie Nächste Vorstellungen im Deutsches Schauspielhaus in Hamburg |
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| OHNE TITEL
(Blutergüsse der Seele #3) Monitorinstallation von Kevin Rittberger Auf zwei Monitoren sprechen
acht Schauspieler wechsel- weise kurze
Monologe. Es handelt sich um wahl- und seelen- verwandte Texte zu dem
sprach- und bildgewaltigen Autor Hans Henny Jahnn. Die literarischen
Positionierungen, die
sich durch drastische und exhibitionistische Darstellung auszeichnen, werden einer radikalen, kunstkritisch-politischen Vision gegenübergestellt, die einige Thesen aus Slavoj Zizeks „Die politische Suspension des Ethischen“ (Frankfurt a. M. 2005) enthält. Texte (gespielt von): Hans Henny Jahnn, Die Krönung Richards III. (Samuel Weiss) Hans Henny Jahnn, Medea (Katja Danowski) Marquis de Sade, Justine oder die Leiden der Tugend (Tim Grobe) Lautréamont, Die Gesänge des Maldoror (Bernd Moss) Antonin Artaud, Der Nabel des Niemandslands und Die Nervenwaage (Maja Schöne) Georges Bataille, Das obszöne Werk (Kai Schumann) Slavojzek, Die politische Suspension des Ethischen (Marie-Lou Sellem) Daniil Charms, Fälle (Daniel Wahl) Die 22minütige Monitorinstallation war im November 2005 als Teil eines Rahmenprogramms zu Sebastian Nüblings Inszenierung von Hans Henny Jahnns "Die Krönung Richards III." im Bunker vor dem SChauspielhaus Hamburg zu sehen. Außerdem folgten im Februar und Juni 2006 Einladungen zu den Festivals 100grad Berlin und Neuropolis. |
Auszüge aus dem Monolog „Der Kunstscharfrichter“ Wahre Kunst hat nichts, aber auch gar
nicht mit geschmacklosem
emotionalem Exhibitionismus zu tun.Vor allem auf dem Gebiet der Poesie – was
bedeutet, dass man jede
Attitüde des Ausdrucks seiner selbst, des Zur-Schau-Stellens der
eigenen Wünsche und Träume sowie des eigenen innersten
emotionalen Aufgewühltseins radikal verwerfen sollte. Menschliche
Abgründe, wen interessiert das? In Wirklichkeit scheinen wir heute
an einem der Ideologie der 60er Jahre entgegen gesetzten Punkt zu
stehen: Die Motti der Spontaneität, des kreativen Ausdrucks der
eigenen Persönlichkeit werden vom System übernommen, d.h. die
alte Logik, dass das System sich durch Unterdrückung und rigide
Kanalisierung der spontanen Regungen des Subjekts reproduziert, ist
aufgegeben. Diese gehen unmittelbar ein in den Kreislauf der
kommerziellen Zirkulation. Alle Kunst und alles Denken aber sind
ruiniert, wenn wir diese Erlaubnis zu konsumieren und zu
genießen, akzeptieren. Nichtentfremdete Spontanität,
kreativer Ausdruck der eigenen Persönlichkeit,
Selbstverwirklichung – all dies dient unmittelbar dem System.
Emanzipatorische Politik fängt an mit schonungsloser Selbstzensur.
Der Künstler hat sich
einer radikalen Selbstobjektivierung zu
unterziehen und in und für sich selbst zu sterben, sich in eine
Art lebenden Toten zu verwandeln. Revolutionäre Aktivität aus
der Haltung des „subjektiven Mangels“ heraus: nicht „authentisch die
eigene Position des Aussagens auszuspielen“, sondern sich, in einem Akt
ohne Subjekt, auszulöschen hinter dem Ausgesagten. |
![]() DER WUNDERHEILER Brian Friel Someday,/ When I'm awfully low/ And the world is cold,/ I will Ein Stück der
Erinnerungen. Vier Monologe dreier Personen, die die
Geschichte des Wunderheilers Francis Hardy rekonstruieren.
Ein Stück der falschen Erinnerungen. Drei parallele Biographien, höchst unterschiedlich erinnert, aber immer in der subjektiven Gewissheit, dass sich die Dinge tatsächlich so abgespielt haben. Jahre und Jahrzehnte sind sie gemeinsam über Land gezogen: Francis Hardys, seine Frau Grace und sein Faktotum Teddie, rastlos, heimatlos, erwartungsfroh. Der »Wunderheiler« bot den Menschen mit seinen heilenden Händen und der Hilfe seiner treuen Satelliten mehr oder weniger aus Zufall vage Verheißungen an. Und dann, manchmal, unberechenbar, aus heiterem Himmel geschah das Wunder. |
![]() feel a glow just thinking of you/ And the way you look tonight. Ein Stück auch über
das Wunder des auratischen Moments, jener
Ganzheit, die Künstler und Betrachter zu einer Einheit verwachsen
lässt.
Brian Friel entwickelt anhand der Biographien die unglaublich intensive Enthüllung eines Falles, der nicht sehr besonders zu sein scheint und allmählich einen magischen Sog entfaltet. Es spielen: Irene Kugler, Philipp Otto, Lutz Salzmann Regie: Kevin Rittberger Bühne und Kostüme: Leo Stern Dramaturgie: Almut Wagner Premiere am 18.01.2006, Deutsches Schauspielhaus Hamburg, Rangfoyer |
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| OSTEND nach dem Roman von Manfred Esser. In einer Fassung von Kevin Rittberger Manfred Esser nähert sich der
Realität des
Stuttgarter Arbeiterstadtteils Ostheim im Sommer des Jahres 1974 von
den täglichen Verrichtungen her. Gewaltig ist
die Anstrengung, keine Stimme unerhört zu lassen. Wie ein
Wärmestrahler schenkt Esser auch dem Kleinsten und scheinbar
Alltäglichsten Bedeutung, schaut dem Volk
buchstäblich aufs Maul und
benutzt das Ungeformte der Alltagssprache als Rohstoff für seinen
großen
Gesang. Er ist ein Sprachkünstler, der den Wert der Worte immer
neu bemisst und
die Sprache entgegen konventionellen Erstarrungen wieder brauchbar
macht.
Dennoch verliert der „Ostend-Roman“ nie den Blick auf das Ganze und
stellt
durchweg „dokumentarische“ Bezüge her: Historie des Viertels,
Löhne, Mietkosten
usf. bleiben nicht unerzählt. Als Zentrum und Navigator der vielen
losen
Erzählepisoden kristallisiert sich mehr und mehr der dichtende
Intelligenzler
Esswein heraus. Der selbsternannte „Überbauarbeiter“ formuliert
nochmals das
Vorhaben des gesamten Romans in kleinem Maßstab: „Dieser
blubbernde Eintopf und
Alltag lässt sich nicht auf einen einfachen Nenner herunterkochen.“ Der Dichter Esswein beschreibt das
Spannungsfeld zwischen
klassenzugehörigem Überbauarbeiter und linkem Prahler und
damit eine seit Mitte
der 70er Jahre symptomatische Diskrepanz. Als nicht mehr vereinbar
erweisen
sich die Haltung des bewussten Systemkritikers und das
tatsächliche politische Engagement.
Gegenüber dem alten Kommunisten Fritz Phillip, der an seinem
Geburtstag auf
mustergültige achtzig Jahre Klassenkampf zurückblicken kann,
droht Essweins
politischer Standpunkt zum bloßen Habitus zu verkommen. |
Es bleibt die sehnsüchtige Erinnerung an eine Zeit: Als der Gegner noch greifbar, die Utopie noch denkbar, das Gesagte und das Getane noch deckungsgleich, das Manifest und die Brandrede nicht nur Schall und Rauch waren.
Festival DEPOT X
MEMO
Regie: Kevin
Rittberger Uraufführung 08.03.2007 | Depot Schauspiel Stuttgart |
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