AKTUELL



NACHRICHTEN AUS DER IDEOLOGISCHEN ANTIKE
nach Alexander Kluge

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EINE GRUPPE NAMENS "REVOLUTIONÄRER KAMPF"
 Nie warso viel Lernbegier wie hier
EIN LENINIST DES GEFÜHLS
 Nachträglich bestand sein Beitrag darin,
 26 Genossinnnen geschwängert zu haben
AUF DEM ACKER DER NEUGIERDE UND DER BESONDERHEIT
 Er stellte die heranwachsenden Mädchen, die Doppelkreatur,  
 auf Jahrmärkten aus
DIE MEERJUNGFRAU
 Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen 
 Bedürfnissen
UNSERE PRODUKTIONEN WÄREN EBENSO VIELE SPIEGEL WORAUS UNSER WESEN SICH ENTGEGENLEUCHTETE 
 Gesetzt,wir hätten als Menschen produziert: Jeder von uns 
 hätte in seiner Produktion sich selbst und den anderen doppelt
 bejaht.
WILDHEIT ALS ANSPRUCH
 Handle stets so, dass dein Wollen Maxime einer allgemeinen 
 Gesetzgebung werden könnte
BAUWEISE VON PARADIESEN
 Etwas fängt sehr schön an und endet grausig. Das ist das 
 Wahrscheinliche in der Welt.
TIEFSCHLAF DES GEISTES
 Es kann etwas sehr Schönes daraus werden/ Deshalb lass
 mich einen Augenblick noch auf der Erden
MIKROMEGAS UND DIE BLAUE GEFAHR
 Ich für meinen Teil wage nie Pläne zu schmieden.
DER MARXIST OHNE HOFFNUNG
 Sechszehn Generationen hingebungsvoll tätiger 
 Gedankenträger wären gerade einmal ausreichend, um einen
 Grundriss des Marxismus aufrechtzuerhalten
MANN OHNE KOPF
 ...wobei nicht der tatsächliche Zustand des
 Enthaupteten,sondern das Reklamebild von dessen Nummer 
 "Mann ohne Kopf" angebildet wurde.
GRAND GUIGNOL
 
Als Nationalsozialist lehne ich Gewaltdarstellung ab!
KATEGORIE DER PLÖTZLICHKEIT
 Hat nicht vielleicht der vom Körper getrennte Kopf  noch 
 Bewusstseinsinhalte?
BIOKOSMISTEN
 Die Basis der Ökonomie ist die Lebenszeit. Also muss die 
 Lebenszeit abgeschafft werden.





Es spielen: Ute Hannig, Samuel Weiss, Lukas Holzhausen, Felix Kramer, Marie Leuenberger, Stefan Schneider

Regie und Bearbeitung: Kevin Rittberger
Bühne: Christoph Ebener
Kostüme: Janina Brinkmann
Musik: Stefan Schneider
Video: Alexander Grassek
Dramaturgie: Steffen Sünkel

Uraufführung am 30.1.2010 im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg/ Malersaal

Weitere Vorstellungen:
www.schauspielhaus.de

TRAILER AUF YOUTUBE:
GRAND GUIGNOL





DIE ABSCHAFFUNG DER ARTEN
nach dem Roman von Dietmar Dath

"Wir haben das alte dumme fixe und variable Kapital durch ein neues Verhältnis von Mitteln und Zwecken ersetzt, das unmittelbar als Energie, verwertet von Lebendigem, meßbar ist. Ich habe dafür, weil’s anfangs noch Geld dazu brauchte, das Geld vorgestreckt. Und da in bestimmten rückständigen Randbezirken unseres Wirkens das allgemeine Äquivalenzmaß weiter gebräuchlich sein wird, bis wir aus der Sprengung der Taxa eine Wirklichkeit gemacht haben, werde ich mich weiter einmischen, selbst wo ich gar nichts dazu tu. Aber wie mit dem Geld, das wir benutzen, um es abzuschaffen, will ich es jetzt mit dem Körperlichen halten. Denn soll ich mich etwa weiter träge in dieser trägen Welt mitbewegen? Das ist mir, liebe Gente, viel zu träge, das erinnert mich zu sehr an die Langeweile, an die menschliche Mühsal, an die Engelswachen vor dem Paradies, ans Verjagtwerden. Wollt ihr die Zeit zurück? Unmittelbar verausgabte Körperkraft als gesellschaftliche Grundlage fortlaufender Überproduktion von allem möglichen Dreck, und dann der ganze Rattenschwanz vom Gegensatz zwischen allgemeinem Reichtum und besonderer Arbeit? (Wollt ihr, daß man euch alle zwei Minuten an euren neuen Schweifchen zieht?) Der Wert, ach Unfug. Ich will, Brüder und Schwestern, der Ärmste und der Reichste sein, einer, der noch nicht mal einen Apparat hat, der Arbeit verrichten kann, verfeinert bis zu dem Punkt, da jeder nur noch aus der Idee von dem besteht, was er sein könnte. Potentialis!"





Es spielen: Elias Arens, Olivia Gräser, Judith Hofmann, Jörg Pose, Boram Lie

Regie und Bearbeitung: Kevin Rittberger
Bühne: Christoph Ebener
Kostüme: Iris Alda
Musik: Boram Lie
Illustrationen: Dirk Rittberger
Dramaturgie: Claus Cäsar, Ulrich Beck

Uraufführung: 9.11.2009, Deutsches Theater Berlin, Box

Termine: Deutsches Theater

PresseSpiegel Aus dem Maul des Löwen




KORO
oder die Wachstumskrise (Auszug)

B
Was machen die da? Diese Schweinigelei!

D
Ich habe keine Ahnung! Vor allen ob es sich um Lust oder um Leben und Tod handelt, ich habe keine Ahnung!

B
Es scheint Todesangst zu sein, auf die alle mit Wollust reagieren.

D
Eines ist sicher: Was die da machen ist polymorph pervers.

B
Was die da machen ist überhaupt nicht zu entschlüsseln. Ist das Pfefferpaste, was der sich da auf seinen Käsekrainer gerieben hat? Kann man das nicht zurückspulen!

D
Also da ist dieser Mann, der uriniert. Er uriniert und jetzt schreit er auf einmal um sein Leben.

B
Er macht irgendwelche Zeichen, rennt panisch hin und her.

D
Irgendwas ist mit seinem Wiwimacher nicht in Ordnung.

B
Sag mal, hast Du schon mal etwas von Fuchsgeistern gehört?



Es spielen: Christian Dolezal, Veronika Glatzner,
Marion Reiser,  Johannes Zeiler

Regie, Text, Ausstattung: Kevin Rittberger

Folge 9 in der Reihe:
DIesseits des Lustprinzips/ Freud und die Folgen

Premiere am 19.3. 2009

Ort: Schauspielhaus Wien

Spieltermine auf www.schauspielhaus.at



MIt der szenischen Recherche DIesseits des Lustprinzips: Freud und die Folgen soll der Versuch unternommen werden, die Schriften und die Biografie des Gründers der Psychoanalyse für das Theater und die Gegewart nutzbar zu machen. (Schauspielhaus Wien)





FAST TRACKING
ODER DER TOD DER KUNQU-OPER


Gestern traf ich den Drachen
Als Geist versteht sich 
Und weißt Du was der sagt
Und ohne Zähne versteht sich 
Ein Drache verheißt Glück und langes Leben 
In China jedenfalls 
Hätte das mal der Löwe gewusst
Dann hätt er auch sein Fell behalten können
Aber so 
Naja

Ein Auftritt steht bevor. Niemand soll enttäuscht werden. Aber: Was hat die 500 Jahre alte Kunqu-Oper »Der Päonien-Pavillon« auf einer Kreativindustriemesse verloren? Und um welchen Begriff von Kreativität geht es überhaupt? Es geht um die Gut-genug-Lösung oder den Beta-Loop, auf Fachchinesisch. Das wollen wir Westler von Tschina (so spricht man es nämlich aus) lernen, nicht immer alles zu Ende denken. Etwas einfach passieren lassen und vor allem, was einen selbst betrifft, etwas einfach mal machen. Also: Der Mensch als Baustelle und Vorstellung, Psychotherapie in Zigarettenlänge, Freud ohne Freud. Oder besser: Fast Tracking.





Es spielen: Julia Nachtmann, Lukas Holzhausen, Felix Kramer,  und Paulo Olarte

Regie und Text: Kevin Rittberger
Bühne: Christoph Ebener
Kostüme: Janina Brinkmann
Musik: Paulo Olarte
Video: Kevin Rittberger
Dramaturgie: Nora Khuon u Steffen Sünkel

Uraufführung: 9.11.2008; 20.30h
Ort: Deutsches Schauspielhaus in Hamburg, Haus 73

Weitere Informationen unter www.fasttracking.de

Aufführungsrechte beim Verlag der Autoren, Frankfurt a. M.
(www.verlag-der-autoren.de)


Die gegenseitige Faszination Chinas und des Westens ist groß - die Unkenntnis ebenso. Auf unverblümt geistreiche Weise schließt Schauspielhaus-Regisseur Kevin Rittberger Versatzstücke fernöstlicher Kultur und westlicher Unsitte in seinem neuen Stück »Fast Tracking oder der Tod der Kunqu-Oper« kurz. ...
Auf originelle Weise dekliniert sich Rittberger durch sämtliche China-Klischees: die als Friseusen getarnten Liebesdienerinnen, die befremdlichen Spezialitäten (»Hund«) und die Lust an der Postmoderne, die sich als Bumerang erweist. Und da blitzt die Kritik an den unreflektierten Einfluss-Strömen auf: Die Kunqu-Oper wird als Zwischengang auf einer kreativen Industriemesse verramscht.
Hamburger Abendblatt, 11.11.2008





HUNGER NACH SINN. ZWEITER TEIL
Nach Alexander Kluge

"Es gibt zwei Sorten Zeit: Die eine nähert sich rasch, ist nur einen Moment da und ist dann wieder weg: Das nennen die Griechen: Kairos. Und dann gibt es eine andere, die vergleichsweise träge dahin fließt, sich ins Unendliche erstreckt, kein Ende findet, die nennen die Griechen Chronos. Zwischen diesen Grundbestimmungen ergibt sich im Grunde alles weitere."

Es gab eine Zeit, da lief das Leben in gleichförmigen Bahnen ab, situiert in der 37°C warmen Ursuppe. Seit dieser Zeit tragen wir einen Hoffnungsvorrat in uns. "Hunger nach Sinn. Zweiter Teil" spürt dieser Sehsucht nach, sucht nach Glücksmomenten, wühlt eingefrorene Gefühle auf und legt verschüttete Zeitschichten frei. Es fahndet nach Umschlagpunkten der Geschichte, verpassten Chancen und berichtet von Weltrettungsversuchen und deren Scheitern. Ausgestattet mit einer "seelischen Untergrund-Armee, die von hoffnungsvollen Annahmen ausgeht" wird der Urmensch mit modernen Zeiten konfrontiert, die es nicht immer gut mit ihm meinen. 

Alexander Kluge liest Geschichte in seinem Werk immer aufs neue gegen den Strich und bezieht sich auf die Wirklichkeiten, die unter der Oberfläche weiterlaufen. Dabei erscheint gewiss, dass die Utopie immer besser wird, während wir auf sie warten.




Es spielen: Julia Nachtmann, Felix Kramer und Samuel Weiss

Regie und Fassung: Kevin Rittberger
Bühne: Christel Bergmann
Kostüme: Janina Brinkmann
Musik: Paulo Olarte
Video: Alexander Grassek
Animation: Gonzalo Barahona
Dramaturgie: Nora Khuon

Uraufführung: 13.3.2008; 21.30h
Ort: Deutsches Schauspielhaus in Hamburg, Rangfoyer

Gastspiel am Maxim-Gorki-Theater in Berlin: 13. u. 14.3.2009
(gefördert durch die  Ilse und Dr. Horst Rusch-Stiftung)

Pressespiegel (*.pdf): Pressespiegel HNS2

Weitere Informationen und
Termine unter: www.schauspielhaus.de

Fotos:  Kerstin Schomburg

Videos anschauen








ENTSCHLEUNIGUNG!

Eine Veranstaltungsreihe
des Deutschen Schauspielhaus in Hamburg
2007/2008

Konzeption: Nicola Bramkamp, Nora Khuon, Kevin Rittberger



ENTSCHLEUNIGUNG! Eine Veranstaltungsreihe

Wir haben keine Zeit, obwohl wir sie um Überfluss gewinnen. Diesem ungeheuren Paradoxon der spätmodernen Welt auf die Spur zu kommen, werden wir jeden zweiten Donnerstag im Monat gegen die Gegenwartsschrumpfung ankämpfen, uns dem rasenden Stillstand aussetzen, Zeitjongleure und multiple Identitäten interviewen, unsere Sensorik für den Karmakapitalismus verfeinern und uns in die unerbittliche Beschleunigungsspirale begeben. Wir bringen den Tempo geplagten Menschen in der Entschleunigungsoase schlechthin, dem Theater, zurück zu seinen Wurzeln.

# 01 STOP AND GO! (11.10.2007)
19.15 Prof. Hartmut Rosa, Jena/ New York: »Was ist Entschleunigung?«, Marmorsaal
20.30 I BEYOND HISTORY. Text und Regie: Kevin Rittberger. Es spielen Irene Kugler und Jürgen Uter. II A LOT OF NOW NOW. Choreographie und Tanz: Victoria Hauke, Hamburg. III MEIN KULTURELLER MOTOR DREHT AM RAD. Poetry-Slam mit dem Team-LSD, Berlin (Micha Ebeling und Volker Strübing), Rangfoyer
22.30 DAUERLAUF. Felix Kramer und Gäste. Kantine

# 02 KARMA-KAPITALISMUS (8.11.2007)
19.15 »Beseelte Wirtschaft?« Vorträge von Birgit Gebhard (Trendbüro Hamburg) und Sören Stamer (Core Media AG). Marmorsaal.
20.30 FAKE FOR REAL (Gastspiel Haus 73). Text und Regie: Kevin Rittberger. Bühne: Christoph Ebener. Kostüme: Janina Brinkmann. Dramaturgie: Anna-Carla Melchert. Es spielen: Christian Brey, Felix Kramer, Rebecca Lina, Ronald Zehrfeld. Rangfoyer.
22.30 DAUERLAUF mit Felix Kramer. Zu Gast: Sarah Lillian und deep vibe association. Kantine




# 03 RASENDER STILLSTAND (13.12.2007)
19.15 »Die ewige Raststätte«. Vortrag von Prof. Carl Hegemann, Leipzig. Marmorsaal.
20.30 Autorenwerkstatt »Weil die Zeit sich so beeilt…« mit Tempoletten von: David Gieselmann, Tim Staffel, Bernhard Studlar Johanna Kaptein' (inszeniert von Studenten der Theaterakademie). Marmorsaal.
22.30 Dauerlauf mit Felix Kramer. Zu Gast: Galerie Oel-Früh und Jan Gazarra.

# 04 GEGENWARTSSCHRUMPFUNG (10.1.2008)
19.15 »Lebenslaufregime vs. situative Identität«. Vortrag von Jürgen P. Rinderspacher. Marmorsaal.
20.30 FÜR ALLE. Gastspiel von She She Pop. Rangfoyer.
22.30 DAUERLAUF. Felix Kramer und Gäste. Kantine

# 05 FLIEGENDE IDENTITÄT (14.2.2008 )
19.15 »Spieler Drifter Zeitjongleure«. Vortrag von Prof. Karl H. Hörning (Uni Aachen)
20.30 4 Werkstattinszenierungen der Regieassistenen des DSH
22.30 DAUERLAUF. Felix Kramer und Gäste. Kantine

# 06 ZEITSCHICHTEN (13.3.2008)
20.15 »Unheimlichkeit der Zeit. Zeit im Werk von Alexander KLuge«. Vortrag von Prof. Rainer Stollmann (Uni Bremen). Marmorsaal.
21.30 HUNGER NACH SINN. ZWEITER TEIL. Nach Alexander Kluge. Regie: Kevin Rittberger. Mit: Felix Kramer, Julia Nachtmann, Samuel Weiss; Musik: Paolo Olarte; Video: Alexaner Grassek; Dramaturgie: Nora Khuon
22.30 DAUERLAUF. Felix Kramer, Boy Division und Jacques Palminger. Kantine

weitere Informationen und Termine unter:
www.schauspielhaus.de




BEYOND HISTORY
Ein Stück von Kevin Rittberger

Beyond History umkreist die Bedingungen persönlichen Wahrnehmens und Handelns vor dem Hintergrund sich fortwährend beschleunigender Kulturen. Was persönlich wahrnimmt und handelt, das sind Überbleibsel von Individuen, darum nicht weniger trotzend gegen den unerbittlichen Strom der Zeit. Was sich beschleunigt, dass ist die Geschichte selbst, in Live-History-Events nur noch zitiert oder übersprungen oder in Form verschiedener Levels simultan durchgespielt. Auf der Strecke bleibt die Erfahrung, der eine eigene „Gegengeschwindigkeit“ innewohnt. Auf dem Vormarsch ist die Sehnsucht nach einem selbst bestimmten Zusammenhang.

Beyond History, das sind sieben Szenen, sie sich mit populistischer Geschichtsvermittlung, der Megacity als „Sinnesschleuder“, alternativen Strategien von Entschleunigung und der spätmodernen Identität als „Rollenmultitude“ auseinandersetzen.


                                      


Es spielen: Irene Kugler und Jürgen Uter

Regie und Text: Kevin Rittberger
Bühne: Christel Bergmann
Kostüme: Janina Brinkmann
Dramaturgie: Nora Khuon

Uraufführung: 11.10.2007; 20.30h
Ort: Deutsches Schauspielhaus in Hamburg, Rangfoyer

Beyond History wird im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Entschleunigung!" gezeigt.

Weitere Informationen unter: www.schauspielhaus.de

Fotos: Florian Thiele










FAKE FOR REAL
Ein Stück von Kevin Rittberger

Abu Dhabi ist die Reinform des Fakes. Neben künstlichen Inselparadiesen, Luxushotels, Golfplätzen und Konsumtempeln wird, von Stararchitekten entworfen, auch die alteuropäische Kultur noch einmal neu aus dem Boden gestampft - mit Louvre, Guggenheim, Biennale, Frankfurter Buchmesse, Oper und experimentellem Theater. Was im Mutterland in hunderten von Jahren gereift ist, soll hier im Vorzeige-Emirat im Schnelldurchlauf nachgeholt werden, auf dass der Tourismus, der bereits jetzt in ungeahnte Höhen schnellt, in 100 Jahren, wenn das schwarze Gold zur Neige geht, die Kassen der zukünftigen Kulturwelthauptstadt fülle. Doch unter der Verpackung des Schönen und Luxuriösen ist das einzig Fundamentale bisher ein Heer von Sklaven, welches draußen in der sengenden Hitze das aufbaut, was drinnen, bei herabgekühlten 18 Grad, als erbauliche Kultur gefeiert wird.
Zwei deutsche Kulturarbeiter, vom Scheich von Abu Dhabi mit dem Aufbau der Kulturbehörde beauftragt, sollen der arabischen Kulturoase nun eine Seele verleihen. Ehemals in Sachen politischer Kunst tätig, haben die Kulturarbeiter die Erosion des Protests, die Einverleibung der Subkultur, den "Kompetenztransfer von der linken Protestkultur zum Management" (Boltanski/Chiapello) selbst erfahren. Doch der Anblick archaischer Formen von Ausbeutung vor den Toren des Prunkpalastes ermöglicht aufs Neue das, was in den westlichen Gesellschaften am Grad der Komplexität der Verhältnisse scheitert und im diffusen Raum der Ströme verpufft: Schwarz-weiße Kapitalismuskritik.
"Wir können nicht einfach den RAF-Zyklus von Gerhard Richter in Ihre Museen hängen! Wir werden 68 bei Ihnen nachholen müssen! Sie brauchen Ihre eigene nationale Ikonographie der Revolution!" Wenn es gelänge, den Scheich davon zu überzeugen, dass auch eine moderne arabische Kultur durch das Stadium der Kritik gehen muss, um sich die Protestformen und Bilder des Widerstands später auf die eigenen Fahnen des kulturellen Kapitalismus schreiben zu können! Wenn es ferner gelänge, die geknechteten Gastarbeiter wirklich zu organisieren! Und wenn es gleichzeitig gelänge, den Scheich dahingehend zu verführen, den wirklichen Straßenkampf als "inszenierten" durch die ästhetische Brille zu betrachten, dann könnte die Realität doch quasi durch die Hintertüre einfallen.





Fake for Real ist ein groteskes Verwirrspiel um den politischen Fake und das Reale und setzt sich mit den Thesen von Judith Mair und Silke Becker aus dem gleichnamigen Sachbuch auseinander und versucht konsequent, die Strategie des Politfakes, bzw. des Culture Jamming auf die zukünftige „Weltkulturhauptstadt“ Abu Dhabi anzuwenden. Die Debatte um Globalisierung, Authentizität, Werte- und Kulturexport gibt Anlass, über politische und ästhetische Strukturen abendländischer Kultur nachzudenken. Fake for Real greift zahlreiche Aspekte dieser Diskussion auf und stellt die Frage: Was ist Wahrheit, was ist Fake? Und: Kann und soll der Transfer der europäischen „Matrix“, einer der Aufklärung entsprungenen kritischen Kultur, in den arabischen Kulturraum überhaupt gelingen?


Es spielen: Rebecca Lina, Christian Brey, Felix Kramer,
Ronald Zehrfeld

Regie und Text: Kevin Rittberger
Bühne: Christoph Ebener
Kostüme: Janina Brinkmann
Dramaturgie: Anna-Carla Melchert

Informationen, Pressematerial,
Fotos und Videos: www.fake-for-real.de

Uraufführung: 17.6.2007
Weitere Vorstellungen: 18.6.,22.6.-26.6.,15.7.2007
Ort: Haus 73 [www.dreiundsiebzig.de]

Gastspiel am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg:
11.10.2007; 20.30h






HUNGER NACH SINN
Fünf Szenen nach Alexander Kluge

Aber das Wort Ich liebe dich hat eine magische Qualität. Man kann es im Leben, dachte sie, nur einmal sagen, und bei dieser Gelegenheit würde ich – da ich ja gar nicht "man" bin, – fügte sie hinzu – sicherlich aus Aberglauben gar nichts sagen, schon um das bißchen Liebe, das es gibt, nicht zu verscheuchen.

Szenen über die Liebe. Ein Mann möchte hören, daß er geliebt wird. Ein anderer fragt sich, warum die Uneinigkeit eines befreundeten Ehepaares eigentlich Einigkeit stiftet. Ein Richter will eine aus Liebesschmerz begangene Straftat juristisch zu fassen bekommen. Ein KZ-Funktionär protokolliert ein Experiment, das die Liebe zweier Gefangener mit bürokratischer Perfektion zu instrumentalisieren versucht.
Szenen über die Sprache der Liebe. Ihnen gemeinsam ist die Schwierigkeit der Figuren, eine Sprache des Gefühls zu entwerfen. Sie versuchen sich in der Sprache zu begegnen, finden aber immer wieder nur Begriffe. Begriffe, die die Gefühle gewaltsam in ein Korsett zwängen.
Vor dem Hintergrund einer schematisierten Kommunikation – vom floskelhaften, privaten Gebrauch in „Fifi“ über die institutionalisierte Form der jurisdiktiven Trennschärfe in „Der Schuss“, bis hin zum totalitär-pervertierten Idiom der nationalsozialistischen Funktionäre in „Ein Liebesversuch“ – sind Kluges Texte Versuchsanordnungen, die nach Lebendigkeit und Eigensinn gegenüber Zwang und Beherrschung des jeweiligen sozialen Systems fragen.

Alexander Kluge, Jurist, Filmemacher, Autor, Produzent und Büchner-Preisträger, hat sich in seinem multimedialen Werk immer wieder als Chronist der Gefühle erwiesen. In seinen Texten finden sich Dialogminiaturen, die mit dieser Aufführung erstmals im Theater gezeigt werden.






Texte:
Adornos Geliebte (Die Lücke, die der Teufel lässt, 2003)
Fifi (Chronik der Gefühle, 2000)
Ursprüngliche Uneinigkeit (Chronik der Gefühle, 2000)
Der Schuß (Die Macht der Gefühle, 1983)
Ein Liebesversuch (Lebensläufe, 1962)



Es spielen: Ute Hannig, Felix Kramer
Regie: Kevin Rittberger
Video: Zeno Moser / Peter Stein
Live-Kamera: Ole Xylander
Kostüme: Iris von Lölhöffel / Annie Lenk
Dramaturgie: Stephanie Lubbe




Hamburger Premiere, 26. Februar 2006,
Rangfoyer Schauspielhaus
Übernahme vom Staatstheater Stuttgart,
Premiere 17. November 2004, Oberes Foyer






Video-Ausschnitt
Fotogalerie
Nächste Vorstellungen im
Deutsches Schauspielhaus in Hamburg




OHNE TITEL (Blutergüsse der Seele #3)
Monitorinstallation von Kevin Rittberger

Auf zwei Monitoren sprechen acht Schauspieler wechsel- weise kurze Monologe. Es handelt sich um wahl- und seelen- verwandte Texte zu dem sprach- und bildgewaltigen Autor Hans Henny Jahnn. Die literarischen Positionierungen, die
sich durch drastische und exhibitionistische Darstellung  auszeichnen, werden einer radikalen, kunstkritisch-politischen Vision gegenübergestellt, die einige Thesen aus Slavoj Zizeks „Die politische Suspension des Ethischen“ (Frankfurt a. M. 2005) enthält.

Texte (gespielt von):
Hans Henny Jahnn, Die Krönung Richards III. (Samuel Weiss)
Hans Henny Jahnn, Medea (Katja Danowski)
Marquis de Sade, Justine oder die Leiden der Tugend
(Tim Grobe)
Lautréamont, Die Gesänge des Maldoror (Bernd Moss)
Antonin Artaud, Der Nabel des Niemandslands und
Die Nervenwaage (Maja Schöne)
Georges Bataille, Das obszöne Werk (Kai Schumann)
Slavojzek, Die politische Suspension des Ethischen (Marie-Lou Sellem)
Daniil Charms, Fälle (Daniel Wahl)

Die 22minütige Monitorinstallation war im November 2005 als Teil eines Rahmenprogramms zu Sebastian Nüblings Inszenierung von Hans Henny Jahnns "Die Krönung Richards III." im Bunker vor dem SChauspielhaus Hamburg zu sehen. Außerdem folgten im Februar und Juni 2006 Einladungen zu den Festivals 100grad Berlin und Neuropolis. 

Video-Ausschnitt
Fotogalerie



Auszüge aus dem Monolog „Der Kunstscharfrichter“
nach Slavoj Zizeks „Die politische Suspension des Ethischen“:

Wahre Kunst hat nichts, aber auch gar nicht mit geschmacklosem emotionalem Exhibitionismus zu tun.Vor allem auf dem Gebiet der Poesie – was bedeutet, dass man jede Attitüde des Ausdrucks seiner selbst, des Zur-Schau-Stellens der eigenen Wünsche und Träume sowie des eigenen innersten emotionalen Aufgewühltseins radikal verwerfen sollte. Menschliche Abgründe, wen interessiert das? In Wirklichkeit scheinen wir heute an einem der Ideologie der 60er Jahre entgegen gesetzten Punkt zu stehen: Die Motti der Spontaneität, des kreativen Ausdrucks der eigenen Persönlichkeit werden vom System übernommen, d.h. die alte Logik, dass das System sich durch Unterdrückung und rigide Kanalisierung der spontanen Regungen des Subjekts reproduziert, ist aufgegeben. Diese gehen unmittelbar ein in den Kreislauf der kommerziellen Zirkulation. Alle Kunst und alles Denken aber sind ruiniert, wenn wir diese Erlaubnis zu konsumieren und zu genießen, akzeptieren. Nichtentfremdete Spontanität, kreativer Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, Selbstverwirklichung – all dies dient unmittelbar dem System. Emanzipatorische Politik fängt an mit schonungsloser Selbstzensur.
Der Künstler hat sich einer radikalen Selbstobjektivierung zu unterziehen und in und für sich selbst zu sterben, sich in eine Art lebenden Toten zu verwandeln. Revolutionäre Aktivität aus der Haltung des „subjektiven Mangels“ heraus: nicht „authentisch die eigene Position des Aussagens auszuspielen“, sondern sich, in einem Akt ohne Subjekt, auszulöschen hinter dem Ausgesagten.






DER WUNDERHEILER
Brian Friel

Someday,/  When I'm awfully low/ And the world is cold,/ I will


Ein Stück der Erinnerungen. Vier Monologe dreier Personen, die die Geschichte des Wunderheilers Francis Hardy rekonstruieren.
Ein Stück der falschen Erinnerungen. Drei parallele Biographien, höchst unterschiedlich erinnert, aber immer in der subjektiven Gewissheit, dass sich die Dinge tatsächlich so abgespielt haben. Jahre und Jahrzehnte sind sie gemeinsam über Land gezogen: Francis Hardys, seine Frau Grace und sein Faktotum Teddie, rastlos, heimatlos, erwartungsfroh.
Der »Wunderheiler« bot den Menschen mit seinen heilenden Händen und der Hilfe seiner treuen Satelliten mehr oder weniger aus Zufall vage Verheißungen an. Und dann, manchmal, unberechenbar, aus heiterem Himmel geschah das Wunder.





feel a glow just thinking of you/ And the way you look tonight.


Ein Stück auch über das Wunder des auratischen Moments, jener Ganzheit, die Künstler und Betrachter zu einer Einheit verwachsen lässt.
Brian Friel entwickelt anhand der Biographien die unglaublich intensive Enthüllung eines Falles, der nicht sehr besonders zu sein scheint und allmählich einen magischen Sog entfaltet.

Es spielen: Irene Kugler, Philipp Otto, Lutz Salzmann

Regie: Kevin Rittberger
Bühne und Kostüme: Leo Stern
Dramaturgie: Almut Wagner

Premiere am 18.01.2006, Deutsches Schauspielhaus Hamburg, Rangfoyer













OSTEND
nach dem Roman von Manfred Esser. In einer Fassung von Kevin Rittberger

Manfred Esser nähert sich der Realität des Stuttgarter Arbeiterstadtteils Ostheim im Sommer des Jahres 1974 von den täglichen Verrichtungen her. Gewaltig ist die Anstrengung, keine Stimme unerhört zu lassen. Wie ein Wärmestrahler schenkt Esser auch dem Kleinsten und scheinbar Alltäglichsten Bedeutung, schaut dem Volk buchstäblich aufs Maul und benutzt das Ungeformte der Alltagssprache als Rohstoff für seinen großen Gesang. Er ist ein Sprachkünstler, der den Wert der Worte immer neu bemisst und die Sprache entgegen konventionellen Erstarrungen wieder brauchbar macht. Dennoch verliert der „Ostend-Roman“ nie den Blick auf das Ganze und stellt durchweg „dokumentarische“ Bezüge her: Historie des Viertels, Löhne, Mietkosten usf. bleiben nicht unerzählt. Als Zentrum und Navigator der vielen losen Erzählepisoden kristallisiert sich mehr und mehr der dichtende Intelligenzler Esswein heraus. Der selbsternannte „Überbauarbeiter“ formuliert nochmals das Vorhaben des gesamten Romans in kleinem Maßstab: „Dieser blubbernde Eintopf und Alltag lässt sich nicht auf einen einfachen Nenner herunterkochen.“

Der Dichter Esswein beschreibt das Spannungsfeld zwischen klassenzugehörigem Überbauarbeiter und linkem Prahler und damit eine seit Mitte der 70er Jahre symptomatische Diskrepanz. Als nicht mehr vereinbar erweisen sich die Haltung des bewussten Systemkritikers und das tatsächliche politische Engagement. Gegenüber dem alten Kommunisten Fritz Phillip, der an seinem Geburtstag auf mustergültige achtzig Jahre Klassenkampf zurückblicken kann, droht Essweins politischer Standpunkt zum bloßen Habitus zu verkommen.






Wenn die Konturen des Feindbilds zusehends verschwimmen, zieht sich ästhetische Gegnerschaft immer mehr zurück. So ist auch Essweins Selbstmord am Ende als Rückzug zu verstehen.

Es bleibt die sehnsüchtige Erinnerung an eine Zeit: Als der Gegner noch greifbar, die Utopie noch denkbar, das Gesagte und das Getane noch deckungsgleich, das Manifest und die Brandrede nicht nur Schall und Rauch waren.


Festival DEPOT X MEMO


Es spielen: Matthias Klein, Marietta Meguid, Reinhold Ohngemach, Sebastian Röhrle, Lilly Marie Tschörtner

Regie: Kevin Rittberger
Bühne und Kostüme: Birgit Stoessel
Musik: Matthias Klein
Dramaturgie: Nora Giese / Frederik Zeugke

Uraufführung 08.03.2007 | Depot Schauspiel Stuttgart